Lyrik im Sportteil

Nach langer Zeit mal wieder ein neuer Eintrag von mir…

Diesmal soll Tennis mein Thema sein. Naja, eher die Berichterstattung dazu.

„Federer bereitet Roddick «Weltuntergang»“

So lautet die Überschrift eines Artikels von Jörg Allmeroth für die Netzeitung.

Im allgemeinen sollte man erwarten, dass Sportberichte im großen und ganzen schon einigermaßen sachlich geschrieben werden, klar, mit einem Hauch Lokalpatriotismus natürlich.

Aber dieser Artikel schießt dann doch ein bisschen übers Ziel hinaus…. Beispiele erwünscht? okay…

Es hätte wahrscheinlich niemanden gewundert, wenn Jimmy Connors oben von der Ehrentribüne ein weißes Handtuch in die Rod Laver-Arena geworfen hätte – als Zeichen der Kapitulation, als Eingeständnis der hoffnungslosen Übermacht des magischen Maestros Roger Federer an einem denkwürdigen Abend, an dem die Nummer eins der Welt eins der besten Tennisspiele aller Zeiten bot.

Hm, geht schon gut los. Aber als Einleitung sieht man darüber noch ein wenig hinweg. Zwar auch schon bisschen von der reinen Sachlichkeit weg, aber okay… verzeihen wir ihm das mal.

Wie ein Tennisspieler aus einer unerreichbaren Parallelgalaxis stellte Federer den Uraltrekord des Australiers Jack Crawford ein,…

Hm… okay… noch einmal seh ich drüber hinweg…

An der Quadratur des Kreises, einem Sieg über den artistisch beschwingten, geradezu zauberhaften Eidgenossen, konnten sich jetzt in Melbourne nur noch Fernando Gonzalez oder Tommy Haas versuchen – die Protagonisten des zweiten Halbfinales…

Artistisch beschwingt? Zauberhafter Eidgenosse? Was wird das? Lyrik oder ein Bericht? Hm, okay, weiter im Text… er wechselt kurz zum Damentennis:

Federers historische Galashow, die 15.000 Zuschauer auf dem Center Court in ehrfürchtiges Staunen versetzte, rückte auch die sensationell fortdauernde Comeback- Kampagne der bulligen Serena Williams in den Hintergrund: Die jüngere Schwester aus der kalifornischen Tennis- Familiendynastie, als Nummer 81 der Welt nach Melbourne gekommen, stürmte durch einen 7:6, 6:4-Erfolg über die tschechische Teenagerin Nicole Vaidisova in ihr drittes Melbourne-Finale.

Stürmen stell ich mir vom Ergebnis anders vor als ein 7:6 und 6:4. Aber gut, ich lenke ab, gehen wir wieder zurück zu Roger Federer:

Doch Federers Auftritt nahe der absoluten Tennisperfektion stellte am 12. Grand Slam-Tag absolut alles in den Schatten.

Tennisperfektion. Fein. Und wie äussert sich das?

Das dachte sich wohl auch Roddick, der von Federer reihenweise Kinnhaken kassierte, bis er völlig die Orientierung verlor und in heilloser Konfusion fast clowneske Fehler beging.

Ach… Kinnhaken… es geht also um Boxen. Oder doch ein Zirkus (wegen dem Clown und so…)?? Hm… schauen wir weiter:

..nicht einmal in Schlagdistanz gelangte er zu dem Außerirdischen auf der anderen Seite des Netzes,…

Mensch.. Boxen mit Außerirdischen. Wenn das die NASA wüsste…

Okay, fassen wir den Bericht also einfach mal zusammen:

Ab dem 3:4 im ersten Satz war in der Rod Laver-Arena nur noch alles Roger und sonst gar nichts. Ein Mann spielte mit makelloser Präzision, so schön und kraftvoll, dass es einen fast schon erschreckte.

Ja, mehr muss man da wohl nicht mehr sagen. Ein wirklich schöner Artikel eines verliebten Menschen, so könnte man meinen.

Lyrik im Sportteil – wenn das der Beginn eines neuen Trends sein soll, dann freu ich mich jetzt schon auf die ersten Gedichtbände unzähliger Sportreporter.

 

(Original: http://frolueb.blog.de/2007/01/25/neutrale_berichterstattung~1620778/)

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