Papa Staat sorgt sich um seine Schäfchen…

Nun haben wir den Salat. Verkaufsoffene Adventssonntage sollen ab dem nächsten Jahr nicht mehr möglich sein. Zumindest geistert dieses Urteil des BVerfG gerade durch die deutsche Presse und manch ein Kommentar vergleicht Deutschland mit der Schweiz – Ladenschlussgesetz vs. Minarett. Religionsschutz vor Religionseinschränkung. Deutschland hat den religiösen Krieg gewonnen. Hurra. Die Kirche und der Gesetzgeber wissen eben, was gut für den leidgeplagten Mitbürger ist und schützen diesen deswegen vor zuviel Schwerstarbeit und Konsumgeilheit an den heiligen Sonn- und Feiertagen. Und mancherorts sogar an gewissen Feiertagen vor zuviel Schwitzen durch schweißtreibendes Tanzen (aber das ist eine andere Geschichte).

Die Gewerkschaften bejubeln dieses Urteil natürlich auch, denn die arme leidgeplagte Verkäuferin muss nun nicht mehr am Sonntag ihren Körper in ein Ladenlokal schleppen und dort für kargen Hungerlohn für den ausbeuterischen Arbeitgeber tätig sein. Diese neugewonnene Freizeit kann sie dann endlich zuhause (denn das Sonntags erarbeitete Geld plus den Zuschlägen fehlt nun natürlich, mit dem man auch mal nen Ausflug hätte machen können) mit ihren vielen Kindern und ihrem Ehemann verbringen oder in einem Gebetshaus ihrer Wahl verbringen (gilt natürlich nur für Christen, denn Moslems und Juden müssen an ihren Feiertagen natürlich arbeiten. Wo kämen wir denn dahin, wenn auch noch der Freitag und der Samstag geschlossen bleiben müssen?)
Aber sehen wir uns doch mal dieses BVerfG-Urteil genauer an. Und wieso find ICH das nun eigentlich sogar ziemlich doof?

Es beginnt schon mal damit, dass dieses Urteil eigentlich nichts wirklich auflöst, sondern das Problem nicht mal ansatzweise wirklich löst. Genaugenommen bedeutet es sogar noch nicht mal, dass an Adventssonntagen nicht mehr geöffnet werden darf: Das BVerfG hat nicht grundsätzlich den Sonntag heilig gesprochen. Wer das Urteil genau liest wird sehen, dass es nur gegen die Verfassung verstößt, wenn man ALLE Adventssonntage offen lässt. 3 von 4 Sonntage wären schon wieder möglich. FOCUS-Online hat dazu einen gut zusammenfassenden Artikel geschrieben.

Meines Erachtens ist es ein Unding, dass mir der Staat vorschreiben darf, wann ich Ruhepausen brauche oder „in mich gehen“ soll oder einkaufen darf. Und wieso er dann so völlig inkosequent ist und dieses Gebot der Sonntagsruhe so einseitig auf Ladenlokale beschränkt. Wieso nicht auch Gaststätten? Busfahrer? Polizei? Kioskbesitzer? Freiberufler? Wo ist da die Verhältnismäßigkeit geblieben? Warum begründet man ein Ladenöffnungsverbot an (Advents)-Sonntagen mit einem Artikel, der eigentlich auf alle Berufsgruppen angewendet werden müsste, um logisch zu sein, beschränkt diesen dann aber am Ende doch nur auf gewisse Wirtschaftssparten, neämlich hauptsächlich den Einzelhandelssektor. Und nicht mal dort konsequent, denn natürlich dürfen Weihnachtsmärkte und Läden in Bahnhöfen weiterhin geöffnet sein und Artikel verkaufen.

Ich kann ja verstehen, dass es Menschen gibt, die am Sonntag eben nicht einkaufen wollen, weil sie Zeit mit der Familie verbringen möchten, Freizeit und Ruhe brauchen oder in die Kirche wollen etc. Aber wieso zwingen diese Leute mir ihre Lebenseinstellung auf und lassen mir nicht meine freie Entscheidung darüber, ob und wann und wo und wie ich was konsumieren möchte?

Dieser Artikel, übernommen aus den Jahre 1919 (!!!), ist veraltet, geht an der heutigen Zeit vorbei und gehört geändert oder abgeschafft. JETZT wäre die Zeit dafür da, sich mal in aller Ruhe mit diesem Relikt der Vergangenheit zu beschäftigen und vielleicht auch endlich mal die Trennung von Staat und Kirche einzuleiten. Wohlwissend, dass das hierzulande kaum schaffbar ist. Aber man soll die Hoffnung eben nie aufgeben…

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